5) Militärische Konfrontation
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Beide Seiten begannen sich offen auf einen bewaffneten Konflikt vorzubereiten. Die Städte waren mit dem Problem konfrontiert, dass ihre Armeen aus Milizen bestanden, die aus der Landbevölkerung ihrer Untertanengebiete rekrutiert wurden, jedoch genau diese Landbevölkerung sich gegen sie erhob. Bern begann Truppen aus dem Waadtland und dem Oberland zusammenzuziehen – zwei Regionen, die vom Aufstand unberührt geblieben waren. Die Obrigkeiten Berns und Luzerns erhielten an der Tagsatzung Unterstützung durch die anderen eidgenössischen Orte.[ In einer Zürcher Depesche war erstmals von einer «Revolution» die Rede. Diese Nachricht scheint die erste dokumentierte Verwendung des Wortes Revolution im modernen Sinne zu enthalten, die einen politischen Umsturz meint und nicht etwa mit einer kreisenden Bewegung in Verbindung gebracht wird.

Am 18. Mai stellten die Untertanen den Städten Bern und Luzern ein Ultimatum. Als Bern mit einer Protestnote antwortete, marschierte das 16'000-köpfige Bauernheer unter der Führung von Leuenberger los und kam am 22. Mai vor der Stadt an. Ein zweites, von Emmenegger angeführtes Heer belagerte Luzern. Die Obrigkeiten waren auf einen bewaffneten Konflikt unvorbereitet und boten sofort Verhandlungen an. Innerhalb weniger Tage wurden Friedensabkommen ausgehandelt. Im Murifeldfrieden (benannt nach dem Murifeld, wo das Bauernheer lagerte), das von Leuenberger und Schultheiss Niklaus Dachselhofer unterzeichnet wurde, versprach der Rat der Stadt Bern am 28. Mai, die fiskalischen Forderungen der Landbewohner zu erfüllen; im Gegenzug sollte der Huttwiler Bauernbund aufgelöst werden. Angesichts dieser Entwicklung einigten sich auch die Stadt Luzern und das belagernde Bauernheer. Leuenbergers Heer beendete die Belagerung und zog sich zurück, doch zahlreiche Aufständische weigerten sich, die Bedingungen zu akzeptieren und den Huttwiler Bauernbund aufzulösen.

Ohne Kenntnis der aktuellen Ereignisse stellte Zürich am 30. Mai eine Armee zusammen, bestehend aus Soldaten aus den zürcherischen Untertanengebieten, aus dem Thurgau und aus Schaffhausen. Ihr Auftrag lautete, jeglichen bewaffneten Widerstand endgültig zu brechen. Unter dem Kommando von Konrad Werdmüller zogen rund 8'000 Mann mit 800 Pferden und 18 Kanonen in Richtung Aargau. Drei Tage später kontrollierte Werdmüllers Armee den wichtigen Übergang über die Reuss in Mellingen. In den Hügeln rund um die nahe gelegenen Dörfer Wohlenschwil und Othmarsingen versammelte sich ein Bauernheer mit 24.000 Mann, angeführt von Leuenberger und Schybi. Eine Delegation der Aufständischen versuchte mit Werdmüller zu verhandeln und zeigte ihm den auf dem Murifeld unterzeichneten Friedensvertrag. Werdmüller, der bis dahin keine Kenntnis davon hatte, weigerte sich, die Gültigkeit des Vertrags anzuerkennen und verlangte die bedingungslose Kapitulation. Das Bauernheer griff am 3. Juni Werdmüllers Armee an. Da es schlecht ausgerüstet war und über keinerlei Artillerie verfügte, wurde es in der Schlacht von Wohlenschwil entscheidend geschlagen. Die Untertanen sahen sich gezwungen, den Frieden von Mellingen zu unterzeichnen, der die Auflösung des Huttwiler Bauernbundes verlangte. Das geschlagene Bauernheer zog sich zurück, woraufhin die Obrigkeiten eine Amnestie verkündeten, die jedoch nicht für die Anführer des Aufstands galt.

Berner Truppen unter dem Kommando von Sigmund von Erlach stiessen in den Aargau vor, um sich mit denen aus Zürich zu verbinden. Unter diesem doppelten Druck brach der Widerstand der Untertanen endgültig zusammen. Von Erlachs Armee umfasste 6'000 Mann und 19 Kanonen. Die Operation geriet zu einer regelrechten Strafexpedition: Die Truppen plünderten die Dörfer auf ihrem Weg und schleiften sogar die Befestigungsanlagen des Städtchens Wiedlisbach, das anschliessend sein Stadtrecht verlor und wieder zu einem Dorf erklärt wurde. Am 7. Juni traf die Berner Armee auf rund 2'000 Mann aus Leuenbergers Armee, die sich nach der Schlacht von Wohlenschwil auf dem Rückweg befanden. Die Rebellen zogen sich nach Herzogenbuchsee zurück, wo sie geschlagen wurden. Das Dorf ging während der Kampfhandlungen in Flammen auf. Niklaus Leuenberger floh und versteckte sich, doch ein Nachbar verriet ihn an die Behörden. Er wurde am 9. Juni durch Samuel Tribolet, den Landvogt von Trachselwald, verhaftet.

Das Entlebuch, wo der Aufstand begonnen hatte, widersetzte sich etwas länger. Bauerntruppen unter Schybis Kommando versuchten am 5. Juni vergeblich, die Brücke von Gisikon einzunehmen. Truppen aus der Stadt Luzern und den Innerschweizer Orten, unter dem Kommando von Sebastian Peregrin Zwyer, schlugen den Angriff erfolgreich zurück. In den folgenden zwei Wochen stiess Zwyer langsam durch das Tal vor, bis seine Truppen es am 20. Juni vollständig kontrollierten. Schybi wurde einige Tage später gefangengenommen und in Sursee eingekerkert.

02.01.2017
 
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